Die „verbotene“ Festschrift

Buchtitel

Während es den Organisatoren der 700-Jahr-Feier des Mansfelder Bergbaus gelang, eine Festschrift herauszugeben, suchen wir in den Archiven vergeblich nach einer Festschrift anlässlich des 750-jährigen Jubiläums von 1950.

Die Anfertigung einer Festschrift anlässlich der 750-Jahr-Feier ist aber nicht vergessen worden. Bereits Anfang 1949 gab es konkrete Vorstellungen über die Durchführung der 750-Jahr-Feier. In einer Beratung beim Hauptdirektor Dümke am 4. April 1949 wird die Erarbeitung einer Chronik inhaltlich wie folgt umrissen:

„Die zu erstellende Chronik soll weder die Mansfelder Grafen noch die Leiter der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, wie Klingspor, Stahl usw. verherrlichen, sondern es soll in erste Linie eine Chronik des Mansfelder Bergarbeiters werden.“

Willi Posselt, zuständige Instrukteur des Landesvorstandes der SED und Dr. Hanns Freydank sollten diese nicht leichte Aufgabe der Darstellung der geschichtlichen Entwicklung übernehmen, während die Betriebs- und Bereichsleiter zur  Darstellung der technischen Entwicklung Zuarbeiten liefern sollten.

So gesehen liefen die Arbeiten gut an.

Doch dann traten Rückschläge ein. Posselt hatte sein fertig gestelltes Manuskript beim Landesverband der SED eingereicht, die wiederum Dr. Schilfert von der Universität Halle mit einem Gutachten beauftragte. Von Dort gab es „Kritische Bemerkungen zur Festschrift anlässlich der 750-Jahr-Feier des Mansfelder Kupferschieferbergbaus“.

Eine Überarbeitung der Posseltschen Vorlage wurde immer dringender, da auch die Parteizentrale in Berlin das vorgelegte Manuskript nicht akzeptierte.

Nach Änderungen, langen Diskussionen und umfangreichem Schriftwechsel war man dann doch noch über das Erscheinen der Festschrift optimistisch und löste die endgültige Bestellung am 04. August 1950 bei der Druckerei wie folgt aus:

„… Wir teilen Ihnen nunmehr mit, dass die von uns benötigte Auflage unserer  „Festschrift zur 750 Jahrfeier des Mansfelder Kupferschieferbergbaues“19.000 broschierte Exemplare und 1000 Exemplare in Ganzleinen betragen. Wir bitten Sie, uns nach der Erstellung des Gesamtmanuskriptes einen Kostenanschlag recht bald einzureichen….“

ABER DANN:

Wurde telef. informiert, dass der SED-Landesvorstand noch immer nicht mit einigen Kapiteln der Festschrift einverstanden war:


Versagen der Druckgenehmigung  (Mansfeld Archiv: H  002986)

Der Beschluss des Sekretariats des Landesverbandes befand sich nicht in den vorhandenen Akten. Eine Mitteilung der Druckerei Magdeburg weist aber auf das Ergebnis hin:


Mitteilung über das Einstampfen der Festschrift  (Mansfeld Archiv: H  002988)

Trotz polizeilicher Bewachung sind nicht alle Exemplare der Festschrift eingestampft worden. So haben wir heute die Gelegenheit, die 1950 verschmähte Festschrift doch noch zur Kenntnis zu nehmen. Die Festschrift ist dem Band IV "Die Jubelfeiern" auf einer CD beigelegt.

(Hinweis zur Ladezeit: Die Dateigröße ist für die Anzeige unter Inkaufnahme von Qualitätsverlusten stark reduziert worden; es handelt sich aber immer noch um ein pdf-Datei von ca. 42 MB.)

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