2000 - 2 bis 4 Das Geheimnis um Aktivitäten auf dem Hohenthalschacht der Jahre 1949/1950


Dr. Rudolf Mirsch beschreibt in diesem Beitrag Aktivitäten im Zusammenhang mit der Suche nach Uranerz im Mansfeldschen in den Jahren 1949/1950


Das Geheimnis um Aktivitäten auf dem Hohentalschacht der Jahre 1949/1950

Dr. Rudolf  Mirsch

Neben Kupfer und Silber enthält der Kup­ferschiefer noch weitere 42 quantitativ nach­gewiesene Metalle, darunter auch geringe Mengen Uran. Uranminerale, wie Uraninit (Pechblende), wurden in der Mansfelder Mulde von Sammlern an geologischen Störungen, den sogenannten „Rücken", gefunden und bereits um 1910 in der Litera­tur mehrfach erwähnt. Hervorgehoben wur­de ein Fundort in der 2. Sohle des Hohenthalschachtes. Als Mineral wurde die Pech­blende 1772 von Ignatz Edler aus Fundorten im Erzgebirge beschrieben, und 1789 wurde von M. H. Klaproth das Uran als Element entdeckt. Der Mineralname wurde von den Bergleuten des Erzgebirges vielfach mit der Tatsache in Verbindung gebracht, dass mit dem Auftreten dieses Minerals eine Vertaubung der Silbererzgänge einherging. Die erste wirtschaftliche Bedeutung erlangte die Pechblende, als aus stark fluoreszierenden chemischen uranhaltigen Verbindungen ein gelbes Pulver hergestellt wurde, das zum Färben von Glas und Porzellan verwendet werden konnte. Von 1825 bis 1898 wurden dafür in Sachsen ungefähr 100 - 110 Tonnen Uranerz gewonnen.

Nach Entdeckung der Kernspaltung durch O. Hahn und F. Strassmann (1938) wurde die Pechblende zu einem strategisch bedeu­tenden Mineral. Daraufhin stellte im Früh­jahr 1939 Deutschland den Verkauf von böhmisch-erzgebirgischem Uran an das Ausland ein. Es stand nur noch für das deut­sche Atomprogramm zur Verfügung. Das Mansfelder Vorkommen blieb weiterhin unbeachtet, da den wenigen bekannten und unergiebigen Fundstellen eine wirtschaftli­che Bedeutung nicht beigemessen wurde.

Eine entscheidende Wende

Die Sowjetunion begann etwa 1942 ein Atombomben-Projekt zu entwickeln. Am Rande der Potsdamer Konferenz (17.7. bis 2.8.1945) sprach Truman mit Stalin auch über die Atombombe. Daraus konnte Stalin entnehmen, dass die USA einen beträchtli­chen technologischen Vorsprung erreicht hatten, Stalin informierte seinen Innenmini­ster und Geheimdienstchef Berija und for­derte, das militärische Gleichgewicht ohne Verzug wieder herzustellen. Die Vermutung Stalins bewahrheitete sich. Nach Testversuchen im Juli wurde am 6. August 1945 von einem Flugzeug der USA über Hiroshima die erste Atombombe abgeworfen. Die Wirkungen dieser neuen Watte waren verheerend. Deutschland hatte am 8. Mai 1945 in Berlin die bedingungslose Kapitulation unterzeich­net, wurde von den Siegermächten besetzt und in Besatzungszonen aufgeteilt. In der Sowjetischen Besatzungszone wurden erste Aktivitäten zur Suche nach Uranlagerstätten für die Beschleunigung ihrer Forschungsar­beiten bereits im September 1945 im Erzge­birge von einer Militäreinheit, dem Pionier­bataillon mit der Feldpostnummer 27304, durchgeführt. Das später daraus hervorgegan­gene allmächtige Bergbauunternehmen mit dem Decknamen „SAG Wismut“ hatte höch­ste Priorität und stand unter direkter Kontrol­le des NKWD, des Vorläufers des KGB.

Das Nachkriegs-Mansfeld

Die Mansfeld-Betriebe hatten in den ersten Nachkriegsjahren eine sehr wechselvolle Entwicklung genommen. Das Mansfelder Land wurde am 13. April 1945 durch ameri­kanische Truppen besetzt. Nach Vereinba­rung wurde bereits Anfang Juli dieses Gebiet unter sowjetische Hoheit gestellt. Daraufhin wurde am 13. Oktober das Eigentum der Mansfeld AG in die Verfügungsgewalt der Provinzregierung übernommen. Am 22. Januar 1946 erfolgte die Sequestration und am 30. September die Überführung in das Eigentum der Provinz, Durch SMAD-Befehl vom 8.10.1946 wurden die gesamten Betrie­be des Mansfelder Kupferschieferbergbaus und die dazugehörenden Hütten und sonsti­gen Betriebe als Reparationsleistung in Anspruch genommen. Sie waren Teil der Sowjetischen Metallurgischen AG in Berlin-Weißensee geworden. Nach SMAD-Befehl vom 24.1.1947 wurde diese Maßnahme jedoch wieder rückgängig gemacht, nach­dem zuvor das ehemalige Messingwerk aus­gegliedert worden war. Am 1. Juli 1948 ent­stand der VVB (Z) Mansfeld als eine Verei­nigung Volkseigener Betriebe zur Produkti­on und Verarbeitung von Kupfer und Zink, und am 1.1.1949 wurde ihr Sitz von Halle nach Eisleben zurückverlegt. In dieser Zeit wurde durch spezielle sowjet­ische Militäreinheiten die Erkundung von Uranlagerstätten auch auf Teile Sachsen-Anhalts und Thüringens ausgeweitet. Grundlagen waren die von deutschen Geolo­gen abgeforderte Gutachten beispielsweise zum Vorkommen von Wismut-Kobalt-Nickel-Vererzungen im Harz (Kautzsch). Im August 1949 wurde die Mansfelder Erkundungsabteilung gebildet. Mit den Vor­untersuchungen wurde ohne Zeitverzug begonnen und nach Vorlage erster Ergebnis­se mit Befehl vom 26, Oktober 1949 für Eis­leben das Erkundungsobjekt 27 gebildet. Es unterstand der ersten Verwaltung (Geologie) der SAG Wismut.

Standort des Objektes 27 war der Hohenthalschacht bei Helbra. Nach den zu dieses] Zeitpunkt noch nicht endgültig vorliegenden Ergebnissen der Untersuchungen in Kalischächten begannen im Dezember 1949 auch Such- und Erkundungsarbeiten im öst­lichen Harz und in Thüringen.

Die Kupferschieferlagerstätte im Visier der Suche nach Uran

Der „verstärkte Mansfelder Erkundungstrupp“ des Jahres 1949 hatte folgende Erkun­dungsziele:

  1. Umfassende Überprüfung der Abbauorte und untertägige Such- und Erkundungsarbeiten
  2. Untersuchung der sogenannten ,,Rücken"auf Urangehalte (Deckname "Wis­mut")
  3. Emanations-Sucharbeiten  (Bestimmung des Radon-Gehaltes der Luft)
  4. Überprüfung der Halden im Gebiet der Mansfelder Mulde

Bereits im September 1949 waren diese Arbeiten begonnen worden. Mit Datum 25.10.1949 liegt ein Vertragsentwurf vor, der zwischen der VVB Mansfeld (Unter­zeichner der deutschen Fassung: Hauptdi­rektor Dümke) und der „SAG Wismut“ abgeschlossen werden sollte. Im erhalten geblie­benen Entwurf fehlt jedoch die Unterschrift des namentlich benannten sowjetischen Ver­tragspartners. Danach hatte die VVB Mansfeld an den vom Vertragspartner schriftlich festgelegten Orten 2000 m Untersuchungsstrecken, Hochbrüche oder Gesenke aufzu­fahren. Bereits bis Jahresende waren ver­tragsgemäß 1290 m zu realisieren. Der bei den Untersuchungsarbeiten gewonnene interessante Anteil des Gesteins sollte deut­lich gekennzeichnet, über Tage in dafür vor­gesehene Kläubeställe gestürzt und dort von speziell dafür Beauftragten übernommen werden. Zur Bewältigung der Aufgaben soll­te sich die Wismut verpflichten, dafür Sor­ge zu tragen, dass etwa 500 Arbeitskräfte, notwendige Transportmittel und das erfor­derliche Material zur Verfügung gestellt wurden. Für die Bewertung der bergmänni­schen Leistungen waren Kalkulationen zu Meterpreisen beigefügt, um wahrscheinlich eine Verrechnung über Reparationsleistun­gen zu ermöglichen.

Noch 1949 wurde zusätzlich ein Pachtver­trag für die Dauer von drei Jahren mit der Option einer Verlängerung über die Nutzung und Ausbeulung von 26 stillgelegten Schachten der Mansfelder Mulde formuliert. Modalitäten der Nutzung der Einrichtungen auf diesen Schachten, der Grubenbaue, der Organisation des Transportes der Arbeiter, der Betriebsaufsicht und der Genehmigungsverfahren wurden in Einzelheiten fest­gelegt. Bei einem Gesamtwert von 49.561.000 M wurde für diese Einrich­tungen bei 5% Pachtzins eine Nutzungsgebühr von jährlich rund 2,5 Millionen Mark ermittelt. Ob diese Verträge rechtswirksam wurden, ist nicht bekannt. Vertragsgemäß sollten außerdem Auffahrungen mit eigenen Kräften der „SAG Wismut" auch in den in Betrieb befindlichen Schächten ohne Störung des Abbaues und bei weitgehender Nutzung vorhandener Anlagen durchgeführt werden. Etwa Mitte November 1949 beschäf­tigte die SAG Wismut auf dem Hohenthalschacht insgesamt etwa 285 Arbeitskräfte, davon 120 Frauen mit Kläubearbeiten über Tage, 88 Arbeiter und Steiger und 50 Mann für sonstige Arbeiten unter Tage. In der Struktur des Objektes 27 vom 1.1.1950 wurden nach sowjetischen Angaben für den Hohenthalschacht 268 Beschäftigte genannt. Der Transport der Arbeiter zu den Arbeitsstellen erfolgte mit 8 Bus­sen eines Verkehrsbetriebes aus Halle. Wie die Zahlen der Objektstruktur vom 1.1.1950 zeigen, konzentrierten sich die Arbeiten im Mansfelder Gebiet auf mehrere Schwerpunkte.

Erkundung und Abbauversu­che in der Lagerstätte

Das Vorkommen von Uranmineralien, vor­wiegend in den mit rötlich gefärbten Baryt gefüllten herzynisch verlaufenden Störun­gen, war aus der Literatur bekannt und dürf­te auch im vom Hauptgeologen abgeforder­ten Gutachten ausführlich behandelt worden sein. Der daraufhin in kurzer Zeit realisierte Arbeitsumfang war enorm. Insgesamt wurden bei den Erkundungsarbeiten unter Tage mehr als 500 Rücken unter­sucht, wobei 72 (nach anderen Unterlagen 45) aktive Rücken festgestellt werden konnten. Das waren auf dem Hohenthalschacht 49, dem Vitzthumschacht 13, dem Fortschrittschacht 8 und dem Clotildeschacht 2 akti­ve Rücken.

Die Arbeiten konzentrierten sich auf folgen­de Gebiete:

1.  Hohenthalschacht, 1. bis 3. Sohle. Aus diesem Gebiet wurden auf einer Länge von 310 Metern bei Mächtigkeiten von 3 bis 40 cm 118 Erzproben entnommen und 43 Ana­lysen untersucht. Diese enthielten durch­schnittlich     0.006 % Uran.

Insgesamt wurden im Bereich der 2. Sohle des Hohenthalschachtes 60,64 Tonnen Erz abgebaut und daraus ein Ausbringen von 23.4 kg Uran erzielt.

2.  Wolfschacht, 7. Sohle. Auf einer Länge von 280 Metern wurden bei Mächtigkeiten von   10 bis 50 cm 88 Bohrproben entnom­men. 59 Analysen enthielten im Durch­schnitt 0.006 % Uran.

Aus Aufschlüssen der 7. und der 8. Sohle wur­den 76,66 Tonnen Erz gewonnen und daraus ein Ausbringen von 14.2 kg Uran erzielt.

3.  Vitzthumschacht, lt. Sohle. Auf einer Länge von 95 Metern, bei Mächtigkeiten von 5 bis 20 cm wurden von Erzproben 20 Analysen angefertigt. Der durchschnittliche Gehalt betrug 0.004 % Uran. Auffahrungen auf der      8. und der II. Sohle erbrachten 7,65 Tonnen Erz mit einem Gehalt von 0,89 kg Uran.

Aus Gewinnungsorten wurden etwa 2000 Proben umersucht. Die höchsten Werte wur­den in der untersten Flözlage festgestellt. Der Urangehalt erreichte aber nur in weni­gen Analysen Werte > 0,03 %. Als Einzelfall wurde auf der 8. Sohle des Wolfschachtes auf einer sehr kleinen Fläche eine sichtbare Vererzung festgestellt, die bis etwa 5 - 10 cm in das Liegende eingedrungen war. Die Aus­wertung der Untersuchungen des Flözes brachte keine nutzbaren Ergebnisse. Untertage konnte insgesamt eine Ausbeute von 38,49 kg Uran erreicht werden.

 Das Geheimnis um Aktivitäten auf dem Hohentalschacht der Jahre 1949/1950 (Teil II) 

Uran aus Mansfelder Halden

Im ersten Teil wurde nach einer kurzen Schilderung der Situation in den Mansfeld-Betrieben in den ersten Nachkriegs­jahren über die aufwendigen, aber wenig ergiebigen, Aktivitäten der Uransuche in den Schächten der Mansfelder Mulde informiert.

Etwas erfolgreicher war die Haldenseparation, die im September 1949 begann. Nach vorangegangenen Dosismessungen wur­den dafür Haldenteile des Hohenthal- und des Vitzthumschachtes ausgewählt. Die Verarbeitung erfolgte durch Kläubung des Materials und Trennung mit einem Gamma-Gerät Der aktive Teil der Hohenthalschächter Halde wurde fast vollständig, der ausgewählte Haldenteil des Vitzthumschachtes zu 15 -20 % verarbeitet. Insgesamt wurden 15.576 m' Haldenge­stein geklaubt und daraus eine Menge von 69,8 kg (nach anderen Angaben 10.250 m' mit 58.8 kg) Uran gewonnen.

Uranit, Fundort Niederschlema
Bildautor: Dietmar Rosmej

Ergebnis und Aufwand

Das Ergebnis der in den Jahren 1949 bis 1950 im Gebiet der Mansfelder Mulde durchgeführten Arbeiten war insgesamt unbefriedigend. Der Urangehalt der unter­suchten „Rücken“ war niedrig. Als Orientierungsgröße wurde in den höffigen und für die Ermittlungen ausgewählten Rücken lediglich ein Metallinhalt von 3372 kg berechnet. Infolge der begrenzten Ausdeh­nung der Vererzung, der schwierigen Gewinnung und des unter der Kondition liegenden Metallgehaltes blieben die erkundeten Vorrate ohne weiteres Interes­se. Die negativen Ergebnisse führten zur Entscheidung, ab Juli 1950 die Such- und Erkundungsarbeiten innerhalb der Mans­felder Mulde einzustellen. Für die Erkundung waren folgende Auf­wendungen erforderlich:

Sicherung alter Grubenbaue     

26.331,0

928,8

Tausend Mark

Auffahrungenen und Rekonstruktion

4975,4

m

4276,5

Tausend Mark

Gamma-Profile             

14300

m        

114,5

Tausend Mark

Probenahme                

4130

Proben    

16,2

Tausend Mark

Chemische u. mineral. Analysen

6847

Stück    

10,0

Tausend Mark

Geologische Dokumentation     

15000.0

m  

55,1

Tausend Mark

Auffahrungen                     

1026

m3 

163,7

Tausend Mark

Haldenkläubung

15576,0

m3   

558,1 

Tausend Mark

Emanations-Aufnamen      

23718

Punkte    

74,0

Tausend Mark

Summe

 

 

6686.9

Tausend Mark

                                                                                          

Durch den verstärkten Einsatz einer neuen Methode, der Bestimmung des Radongehaltes der Bodenluft, konnten ab 1950 in kurzer Zeit flächendeckende Untersuchun­gen großer Teile Sachsen-Anhalts und Thüringens von Mitarbeitern des Erkundungsobjektes 27 realisiert werden. Im Frühjahr wurde das Objekt 30 ausgeglie­dert, um die Suche in Thüringen weiterzu­führen. Die negativen Ergebnisse in Nordthüringen und im Anhaltischen führ­ten zur Umbildung des Objektes 27 zur Wernigeröder Expedition (Oktober 1950) und zur späteren Eingliederung in das Objekt 30 (April 1951).

Wismut - Ausweis eines Zeitzeugen

Nachwort

Am 29. August 1949 führte auch die Sowjetunion einen ersten Atombombentest durch. Die Mansfelder Lagerstätte konnte nur wenig beisteuern, das amerikanische Atombombenmonopol zu brechen. Die Suchtrupps der Wismut halten bereits am 27. Mai 1950 den Hohenthalschacht ver­lassen. Danach wurden auftragsgemäß in eigener Regie lediglich noch drei Gesenke von je etwa 50 - 60 m aufgefahren und weit später noch einmal eine geringe, im Gesamt rahmen unbedeutende Menge Erz aus dem Zentralteil der Mansfelder Mulde der SAG Wismut zur Verfügung gestellt. Der Atomwettlauf war aber noch nicht beendet. Im Auftrag der Sowjetunion wur­de weiter sehr intensiv nach geeigneten Lagerstätten gesucht. Auch das Ausgehen­de am Hornburger Sattel stand im Blick­feld.

 Das Geheimnis um Aktivitäten auf dem Hohentalschacht der Jahre 1949/1950 (Teil III) 

Erkundung und Schürfarbeiten am Hornburger Sattel

Die Jahre nach 1951 waren von einer Zentrali­sierung der Objektstruktur der SAG Wismut geprägt. Das Objekt 29 wurde 1952 nach Thüringen verlagert und übernahm das Arbeitsgebiet des Objektes 30 (41). Daraus ist etwa 1952 das neue Objekt 47 (Thüringen und Sachsen-Anhalt) hervorgegangen. Eine Expe­dition dieses Objektes erhielt die Aufgabe, Prospektionsaufgaben auf dem Hornburger Sattel durchzuführen. Sehr intensiv wurden Erkundungsarbeiten zwischen Homburg, Helfta, Rothenschirmbach, Neckendorf bis Wolferode durchge­führt. Das Gebiet umfasst etwa eine Fläche von 40 km2 und wurde in sechs Reviere eingeteilt. Die Erkundungsmethoden waren für alle nach­folgend genannten Reviere etwa gleich. An der Tagesoberfläche wurde mittels Gräben und Schürfgruben erkundet, die in Abständen von 100 m bis 200 m angelegt wurden. Die Tiefe­nerkundung der höffigen Gebirgsschicht im Rotliegenden (ro4) erfolgte mittels Bohrungen und in einigen Revieren durch untertägige Auffahrungen aus Schürfschachten und durch Aufwältigung alter Kupferschieferschächte.

1.  Im Lagerstättenbereich unmittelbar nördlich von Homburg erfolgte eine besonders intensi­ve Erkundung. Für die Bohrerkundung wurde ein enges Netz von 100 x 100 m vorgesehen und auch realisiert. Drei Schächte erreichten Teufen von 30 bis 50 m. Daraus erfolgte die Erkundung rechtwinkelig zum Streichen mit Auffahrungen, die anfangs etwa in Abständen von 10 m angelegt wurden. Später wurden die Abstände auf 20 bis 25m erweitert. Insgesamt wurde auf diese Weise eine Streckenlänge von 750 m erkundet. Mit 25 Bohrungen erfolgte die Erkundung bis zu 313 m Tiefe, also bis weit ins Liegende des Kupferschieferflözes. Interesse fand ein  »hellgrüner  Sandstein" (ro4), der über Tage mit Schürfgruben aufgeschlossen wurde. Jedoch konnten in nur weni­gen Proben interessante Erzgehalte festge­stellt werden. Das Fehlen der Vererzung an der Erdoberfläche   wurde   durch   Auslaugung erklärt. Mit Stichtag 1.1 1953 wurde für dieses Gebiet eine Berechnung mit folgendem Ergebnis erarbeitet:

  • Erzvorräte                            1.714,910 Tonnen
  • Mittl. Urangehalt im Erz            0,024 %
  • Uranvorräte                                405,9 Tonnen

2.  Im nächsten Revier nordöstlich von Hom­burg bis etwa einhundert Meier vor der Bahn­linie Halle - Eisleben wurden neben Schürfe und Gräben elf Bohrungen zwischen 31 m und 150,2 m Tiefe niedergebracht. Nur etwa l % aller Proben hatten einen beachtenswerten mittleren Urangehalt von 0,021 %.

3.  Südlich der Bahnlinie folgten in nordwestlicher Richtung die Reviere 3 bis 6, die nach den Schürfschächten  48  bis   50   und   19 bezeichnet wurden. Neben Schürfgraben über Tage wurden insgesamt 44 Bohrungen bis in Teufen von 168 m niedergebracht und auch untertägige Auffahrungen aus Schächten getätigt. Aus dem Schürfschacht Nummer 19 wurde die Erkundung auf einer Streckenlänge von 232 m durchgeführt und daraus 11 Feldorte in Abständen von 10 in bis 20 m angelegt. Der ermittelte Urangehalt betrug im Gesamtbereich durchschnittlich 0,005 %. Nur 2 % der Proben  lagen oberhalb der Kondition mit einem mittleren Gehalt von 0,017 %  bei einer mittleren Mächtigkeit der beprobten Schicht von  16,6 m.   Die Ergebnisse waren auch in diesen vier Revieren unbefriedigend. Insgesamt wurden realisiert:

Maschinelle Erkundungsbohrungen          

5458,0 m

Bohrungen von Hand                             

1074.0 m

Horizontale Auffahrungen                       

4673.0 m

Andere untertägige Auffahrungen               

 115,0 m

Schürfschächte über 10 m Tiefe                 

 377,0 m3

Schürfschächte unter 10 m Tiefe                

 136.0 m

Sonstige untertägige Auffahrungen             

 466.0 m3

Erkundungsgräben                                 

2483,0 m3

Weder dem Kupferschiefer noch den unterhalb liegenden Gebirgsschichten konnte nach den gewonnenen Ergebnissen eine industrielle Bedeutung als Uranlagerstätte beigemessen wenden. Mehrere röntgenspektralanalytische Altersbestimmungen an Erzproben haben ein Alter von 39 - 44 Millionen Jahren ergeben. Nach Auswertung aller Ergebnisse wurde die Erkundung am Hamburger Sattel im Jahr 1953 eingestellt und eine bergmännische Gewinnung ausgeschlossen. Ende der sechziger Jahre wurde jedoch die Möglichkeit erwo­gen, den Vorrat durch eine Lautung zu gewin­nen. Zur Überprüfung der dazu erforderlichen Voraussetzungen wurden 1968 fünf hydrogeologische Kernbohrungen niedergebracht. Im nordwestlichen Teil des Hornburger Sattels wurden im Mittel I7,1 g/t und in der Bohrung Querfurt 1 noch 10,7 g/t Uran festgestellt. Trotz negativer Teilaspekte der Ergebnisse sind die Voraussetzungen als insgesamt gün­stig eingeschätzt worden. Später durchgeführ­te Laborversuche zur Laugung dieses Sandsteinerzes verliefen im allgemeinen positiv. Zu praktischen  industriellen Gewinnungsversu­chen ist es nicht gekommen.

Zusammenfassung

Nach 50 fahren ist es nun erstmals möglich, über die viele Jahrzehnte streng geheim gehal­tenen Ergebnisse der Uransuche im Mansfelder Land in den ersten Nachkriegsjahren zu berichten. Es war der Bevölkerung auch 1949 schon bekannt, dass bei den „geheimen" Aktivitäten in den Schächten, auf den Halden und am Hornburger Sattel nicht die Gewinnung von Wismuterzen das Ziel der intensiven Stiche war. Das im „kalten Krieg" zwischen den USA und der Sowjetunion strategisch bedeutsame Uran und dafür besonders das Mineral Uranpechblende war begehrt. Nach Auskunft von Zeitzeugen gab es damals in Hornburg und Umgebung Hoffnungen, aber auch Ängste. Einerseits hoffte man durch Belebung des Bergbaus auf den Erhalt gut bezahlter Arbeitsplätze über längere Zeiträu­me, andererseits befürchtete man die Zerstörung der Landschaft und der örtlichen Idyl­le. Als in Homburg einige Brunnen versiegten, verringerte sieh die Goldgräberstimmung zunehmend.

In der nicht veröffentlichten Geschichte des VEB Mansfeld Kombinat, Band II mit dem Titel „Kampf und Sieg der Mansfeld-Kumpel" konnten nach einigen Auszügen aus Vertrags­entwürfen lediglich soziale Probleme behan­delt werden. Andere Dokumente waren nicht vorhanden und auch nicht zugänglich. Die infolge der großen Unterschiede bei der Ent­lohnung und den täglichen Verpflegungsrationen der Produktionsarbeiter in den örtlichen Betrieben und den bei der SAG Wismut tätigen Arbeitskräften führten zu Missstimmungen. Von der Leitung der Mansfeld-Betriebe wur­den unter Einschaltung von Regierungsstellen sehr schnell detaillierte Vorschläge zur Verbes­serung der Entlohnung und Versorgung der eigenen Belegschaften erarbeitet, deren Reali­sierung unter den damaligen komplizierten Versorgungsproblemen jedoch grüße Schwie­rigkeiten bereitete.

Aus jetzt zugänglichen Unterlagen konnte aus Eisleben und Umgebung mit enormen Auf­wendungen für Erkundungsarbeiten lediglich die verschwindend geringe Menge von etwa 100 kg Uran (Metallinhalt des abtransportier­ten Erzes ohne Verarbeitungsverluste) den Weg in die UdSSR nehmen. Die im Mansfelder Land vermuteten Vorkommen waren nicht ergiebig genug. Im Vergleich dazu wurde aus der DDR insgesamt die gewaltige Menge von etwa 231,000 Tonnen Uran (darin sind noch die Aufbereitungsverluste enthalten) in die

Sowjetunion geliefert. Insgesamt musste dafür eine Gesamtbergemasse von etwa 476 Mill. m3 Haufwerk bewegt werden. Lieferprodukte waren    Stufen- bzw. vorsortierte Erze, die hauptsächlich nur Pechblende beinhalteten mit Urangehalten > 3 % bzw. 1 - 3 % (79.000 Ton­nen) und Konzentrate aus Aufbereitungsbetrieben (137.000 Tonnen). Damit ergibt sich eine Uran-Gesamtlieferung der SAG/S DAG Wis­mut in die Sowjetunion von 216.000 Tonnen. Die Uranproduktion der SD AG Wismut wurde auf dem Territorium der ehemaligen DDR am 31.12.1990 generell und endgültig eingestellt. Geblieben sind in Sachsen und Thüringen große Umweltbelastungen, die mit hohem Aufwand beseitigt werden müssen. Dem Mansfelder Land blieben solche Belastungen zum Glück erspart. Lediglich die notwendige sichere Deponie der sogenannten „Theißenschlämme" aus der Mansfelder Hüttenproduk­tion verursachte einiges Kopfzerbrechen. (Literatur und Quellenangaben beim Verfas­ser)

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